Sonntag, 3. April 2011

Versumpft

bin ich, das geb ich zu.
Doch nicht nächtens, so geschehen einst in früheren Zeiten.
Nein, ich unterschätzte schlicht die Macht des Frühlings und seiner Wärme.
Gegen Matsch bin ich ja stets gefeit, sieht man mich immer gummibestiefelt durch die Gegend stapfen.
Doch dass die Erde, die nun oben grün verlockend sich als Wiese ausgibt, bis in unterste Schichten ein tiefgründiges Moor beherbergt, das musste ich schmerzlich erfahren.
Alleine das schmatzende Geräusch hätte mich stutzen lasen sollen, doch ein Schritt weiter und der Fuß sank ein.
Ziehen? Nein, da hielt ein Schlammklammerer den Stiefel fest und bei der Bemühung um Standfestigkeit glitschte auch der zweite Fuß immer tiefer in die schwarze Masse.
Dass ich mit meinen Prellrippen nicht die Gelenkigste war kam erschwerend hinzu und nur die Wutkraft trieb mich zu schmerzhaften Verrenkungen, um wenigstens aus den Stiefeln zu gelangen.
Das gelang unter wildem Wortgefluche bei einem und nach erfolgreicher Positionierung eines Beines auf etwas festerem Untergrund auch beim zweiten Fuß. Da ich eh schon mit kniehohem Moormatsch verschmiert war, kams mir nicht mehr auf weitere Schwarzflecken an und ich grub mit Mühe meine wertvollen Begleiter aus.
Die hatten mich wärmstens und bestens durch Eis und Schnee geführt, da wollte ich ihnen nun nicht ein Moorgrab angedeihen lassen.
Meine Hunde nahmen dies alles etwas verwundert zur Kenntnis.
Für sie sah es wohl so aus, als hätte ich mir ihre Lust am Buddeln zu eigen gemacht.Welch Kraft doch diese wasserdurchdrungene Erde hat! Es erschien wirklich als zöge und gulpte da am anderen Ende ein Wesen, um diese Gummistiefeltrophäen an sich zu reissen.
Verschmiert, verstört, aber heilfroh der Schlammfalle entronnen zu sein, nahm ich den ersten Barfußlauf des Jahres auf mich, um über die Wiesen und Äcker wieder dem Haus zuzustreben.
Inzwischen wurde alles abgeduscht, ausgespült, gewaschen und die Spuren beseitigt, die das Morgenabenteuer mit sich brachte.

Und den Baum der Erkenntnis hab ich leergefrühstückt ....;-)

Kommentare:

  1. Dein "Baum der Erkenntnis" sieht aus wie ein Scherenschnitt. Seine Form gefällt mir gut - alles andere in Deinem Bericht weniger!
    Mensch, Gabriela, gut dass Du da wieder heil rausgekommen bist!
    Irgendwie lernt man wohl nie aus ;-)

    Liebe Grüße, Edith

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  2. das ist ja eine richtige schaudergeschichte und die aktion "selbstbefreiung aus dem sumpf" war sicherlich filmreif.
    ich bin froh, dass du dort schnell und heile wieder rausgekommen bist. so ein sumpf (ich kenn das nur aus erzählungen und filmen)ist tückisch und schnelles handeln lebensrettend.
    alles gute aus dem süden

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  3. Ach ja, man lernt nie aus - und in deinem Fall zeigte es sich, wie hart und heimtückisch die Lebensschule oft sein kann.

    Erhol dich gut von den Strapazen und dem matschigen Drum und Dran, Gabriela!

    Liebe Grüsse in die neue Woche,
    Brigitte

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  4. Du hast aber im Moment auch richtig Pech bei Deinen Spaziergängen.
    Ich glaube, ich hätte totale Panik bekommen, wenn ich so tief eingesunken wäre. Kann das an der See schon nicht haben, wenn ich im Schlick einsinke.
    Na Gott sei dank ist es ja gut gegangen.
    Was hat Rotkäpchen von ihrer Mutter schon zu hören bekommen?
    Geh nie vom Weg ab, das könnte gefährlich sein;))

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  5. Es ist ja nochmal gut gegangen und deshalb habe ich mir erlaubt, laut über Deinen Moorkampf zu lachen :-)
    Steinreiche Grüße
    Helga

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